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Pressemitteilung vom 7.3.2014

Internationale Tagung zu den Folgen von Atomkatastrophen für Mensch und Umwelt

 

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http://www.ippnw.de/startseite/artikel/5e0cea7bfa/internationale-tagung-zu-den-folgen.html

Den Opfern der atomaren Katastrophen eine Stimme geben

Arnoldshain – Drei Jahre nach der atomaren Katastrophe von Fukushima und 28 nach Jahre nach dem Super-GAU von Tschernobyl müssen die Menschen in den betroffenen Regionen nach wie vor mit den Folgen der radioaktiven Verstrahlung leben. Auf einer internationalen Tagung haben sich auf Einladung des Zentrums Ökumene der Evangelischen Kirche Hessen und Nassau und der Ärzteorganisation IPPNW etwa 100 ÄrzteInnen, WissenschaftlerInnen und JournalistInnen aus Japan, Belarus, Deutschland, den USA, Frankreich, der Schweiz und Großbritannien über die Folgen der atomaren Katastrophen für Mensch und Umwelt ausgetauscht.„Das Schockierende an der atomaren Katastrophe von Fukushima ist, dass scheinbar aus Tschernobyl nichts gelernt wurde“, erklärte eine Teilnehmerin aus der Schweiz. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse über die Gefahren ionisierender Strahlung sind eindeutig und lange bekannt. Schon geringste Strahlendosen erhöhen nachweislich das Erkrankungsrisiko. Es gibt keinen Schwellenwert, unterhalb dessen Strahlung ungefährlich wäre. „Es ist allein eine politische Entscheidung, wie viele strahlenbedingte Erkrankungen eine Gesellschaft bereit ist zu akzeptieren“, erklärt Dr. Dörte Siedentopf, IPPNW. Es fehle der Wille, diese wissenschaftliche Bewertung des Strahlenrisikos in politische Handlung umzusetzen. Der Einfluss der Atomindustrie auf die Politik sei nach wie vor enorm groß – in Japan, aber auch international.Die japanischen Ärzte berichteten auf der Tagung von einem beängstigendem Anstieg der Schilddrüsenkrebsfälle bei Kindern. Da nach der Atomkatastrophe keine Jodtabletten verteilt wurden, sei mit einer Zunahme der Schilddrüsenerkrankungen zu rechnen. Schilddrüsenuntersuchungen allein reichen nach Ansicht der Wissenschaftler nicht aus. Die japanische Regierung unterbindet die Untersuchungen anderer strahlenbedingter Erkrankungen. Die japanischen TeilnehmerInnen der Tagung fordern von ihrer Regierung, alle Gesundheitsdaten, die in Zusammenhang mit der Tepco-Atomkatastrophe stehen, der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.„Den stärksten Eindruck machte auf mich die Hilflosigkeit der Mütter, die sehr besorgt sind um ihre Kinder und die Zukunft nachfolgender Generationen“, erklärte eine Teilnehmerin. Mütter, die sich aufgrund der Strahlung Sorgen um ihre Kinder machen, werden in Fukushima nicht ernst genommen und sozial ausgegrenzt. Um die „Sicherheit“ der Lebensmittel aus der Präfektur Fukushima zu demonstrieren, lässt man die Kinder in der Schule Produkte aus der Region essen. „Auch die gesundheitliche Überwachung der Aufräumarbeiter am Kraftwerk durch Tepco ist extrem mangelhaft“, berichtete eine Aktivistin aus Japan. Nur etwas 15 % der Arbeiter seien bei Tepco direkt angestellt. Alle anderen arbeiteten für Subunternehmen. Oft seien es Tagelöhner. Bei ihnen würden keinerlei regelmäßige Reihenuntersuchungen zur Gesundheitskontrolle durchgeführt.Die Experten haben im Martin-Niemöller-Haus in Arnoldshain vier Tage lang ihre unterschiedlichen Erfahrungen ausgetauscht, sind miteinander ins Gespräch gekommen und haben sich vernetzt. „Wir wollten den Opfern der atomaren Katastrophe eine Stimme geben und einen Dialog ermöglichen“, erklärt der Beauftragte für Friedensbildung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau Wolfgang Buff. „Die zivile und militärische Nutzung der Atomenergie war von Anfang an untrennbar verknüpft mit einer Verharmlosung, Vertuschung und Verschleierung der Folgen für Mensch und Umwelt“, kritisiert er.„Einerseits sind wir alle unterschiedlich, aber anderseits sind wir alle gleich in dem Wunsch unsere Kinder zu schützen. Wir alle wünschen uns, dass unsere Kinder gesund und glücklich sind. Es ist sehr wichtig, dass in allen Ländern begriffen wird, dass wir alle gleich sind in unseren Emotionen, in unseren Ängsten und unseren Sorgen über die Zukunft unserer Kinder“, fasste eine Referentin aus Weißrussland ihre Eindrücke von der Tagung zusammen. Die TeilnehmerInnen waren sich einig, dass die Tagung den vielen Engagierten in Deutschland, aber auch in Weißrussland und Japan Mut gemacht hat, den mühsamen Weg der Aufklärung weiterzugehen, bis endlich auch PolitikerInnen dies einsehen und zu Veränderungen bereit sind, um nachfolgenden Generationen eine Welt ohne atomare Bedrohung zu ermöglichen.Informationen zu Programm, ReferentInnen und eine Dokumentation der Internationalen Tagung zu den Folgen von Atomkatastrophen für Mensch und Umwelt finden Sie unter:
www.tschernobylkongress.de

Kontakt: Angelika Wilmen, Pressesprecherin der IPPNW, Tel. 030-69 80 74-15
Deutsche Sektion der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges, Ärzte in sozialer Verantwortung (IPPNW), Körtestr. 10, 10967 Berlin,  Email: wilmen@ippnw.de, www.ippnw.de

Wolfgang Buff, Beauftragter für Friedensbildung, Zentrum Ökumene der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Praunheimer Landstraße 206, 60488 Frankfurt am Main, Tel.: 069 – 976518-58, Email: wolfgang.buff@zoe-ekhn.de

 

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Drei Jahre nach Fukushima!

 

Experten schlagen Alarm:

Deutschland mangelhaft auf Atomunfall vorbereitet

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http://www.focus.de/politik/deutschland/drei-jahre-nach-fukushima-experten-schlagen-alarm-deutschland-mangelhaft-auf-atomunfall-vorbereitet_id_3653797.html

Deutschland ist nicht ausreichend auf einen nuklearen Störfall vorbereitet. Lücken bei der medizinischen Versorgung der Bevölkerung, Sorge um die Infrastruktur, veraltete Prognose-Systeme und überholte Evakuierungs-Konzepte zeigen: Radioaktiven Wolken könnte derzeit nur unzureichend begegnet werden.
Drei Jahre nach der Katastrophe von Fukushima ist Deutschland nicht ausreichend auf einen nuklearen Störfall vorbereitet. Das geht nach Informationen der „Süddeutschen Zeitung“ („SZ“) vom Samstag aus einer Stellungnahme der auf Katastrophenfälle spezialisierten Schutzkommission beim Bundesinnenministerium hervor.
Demnach haben „verschiedene Übungen zu kerntechnischen Unfällen“ unter anderem Lücken bei der medizinischen Versorgung der Bevölkerung aufgezeigt. Die Umsetzung entsprechender Vorgaben sei „insbesondere auf Ebene der Kreise und Städte, die für die Durchführung von Schutzmaßnahmen zuständig sind, stark verbesserungswürdig“, heiße es.
„Nicht ganz auf der Höhe der Zeit“
Vielerorts fehle es etwa an Strahlenschutzärzten, die Aufschlüsse über die nukleare Belastung der Bevölkerung gewinnen könnten. „Die Schutzkommission fordert daher eine Verbesserung der medizinischen Versorgung und Nachsorge der Betroffenen und Besorgten“, heißt es in dem Bericht.
Wie die „SZ“ weiter berichtet, sind den Experten zufolge auch die Prognose-Systeme für möglichen radioaktiven Fallout und die Evakuierungs-Konzepte im Fall von Atomunfällen „nicht ganz auf der Höhe der Zeit“. Dazu werden normalerweise Wetterdaten herangezogen, um die Bewegung einer radioaktiven Wolke zu simulieren.
Evakuierungskonzepte längst überholt
Das Bundesamt für Strahlenschutz unterhält jedoch auch ein Netz von Messstellen, die schon kurz nach einem Unglück echte Messdaten liefern – beide Methoden müssten besser miteinander verknüpft werden, fordern der „SZ“ zufolge die Experten. Auch das deutsche Strahlenschutzamt sei dieser Auffassung. An einer ensprechenden Aufbereitung der Daten werde gearbeitet, so ein Sprecher.
Weil mit den genaueren Prognosen möglich sei, „die Räumung von Sektoren je nach Gefahrenlage zeitlich zu staffeln“, seien die bislang für die Evakuierung vorgesehenen kreisförmigen Gebiete um Atomanlagen nicht länger geeignet: Treten – wie in Fukushima – radioaktive Stoffe nicht auf einen Schlag in großen Mengen sondern verteilt über einen längeren Zeitraum hinweg aus, verändern sich auch die Folgen für die Bevölkerung: Je nach Wind ist mal die eine, dann die andere Region betroffen.
„Deutschland wäre beim Atomunfall überfordert“
„Zur Vermeidung möglicher sozialer Unruhen“ müsse die Bevölkerung ausreichend informiert werden. Auch die Infrastruktur dürfe nicht verfallen, „für den Fall der Rückkehr der Bevölkerung in das betroffene Gebiet“. Ausgehend von den Erfahrungen im japanischen Atomkraftwerk Fukushima sollte die Katastrophenschutz-Kommission prüfen, inwieweit deutsche Stellen auf ein vergleichbares Unglück vorbereitet wären.
Die Grünen fordern bessere Konzepte für den Notfall auch von der Politik: „Deutschland wäre beim Atomunfall überfordert“, sagte die Atomexpertin Sylvia Kotting-Uhl der „SZ“. Die zuständigen Ministerien müssten „endlich aufwachen“. Veränderungen im Katastrophenschutz sind allerdings Sache der Innenminister der Länder.

Auch die vom Umweltministerium eingesetzte Strahlenschutzkommission hatte jüngst über über Konsequenzen aus Fukushima beraten: Die Evakuierungszonen sollten demnach ausgeweitet werden. Genauso wie die Kommission des Innenministeriums – renommierte Wissenschaftler, die die Bundesregierung ehrenamtlich beraten – fordern die Experten zudem, dass bundesweit Jodtabetten bereitgehalten und ihre Ausgabe „praxisgerecht vorbereitet“ werden. Sie beugen einer Aufnahme radioaktiver Stoffe über die Schilddrüse vor.

VIDEO: 100 Tonnen hochradioaktives Wasser in Fukushima ausgelaufen
Tankleck in Fukushima: 100 Tonnen hochradioaktives Wasser ausgelaufen

 

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